Erinnern können wir uns nur an die Dinge, die wir begreifen. Schnell lässt sich der Schluss ziehen, dass wir auch nur aus den Dingen, die wir begriffen haben, etwas lernen können. Und viel zu oft plumpst, selbst nach reiflicher Überlegung, lediglich ein Knäuel aus Erinnerungsfäden in unseren Sinn, wenn wir nach Begebenheiten gefragt werden, die wir nie wirklich verstanden haben.
Vor etwas mehr als einem Jahr erklärten vier hessische Landtagsabgeordnete der SPD, dass sie Andrea Ypsilanti nicht zur Ministerpräsidentin wählen würden. Die Bekanntgabe ihrer Verweigerung war der Schlussstein in Ypsilantis Bemühungen die hessische Regierung zu übernehmen und die klare Stellungnahme gegen eine Zusammenarbeit der SPD mit der Fraktion der Linken auf Landesebene. Wer 2008 von diesen Vorgängen aus der Zeitung erfahren, sich kurz empört dann doch eine Seite weitergeblättert hat, dem ist dieser Vorfall womöglich heute tatsächlich nur noch ein Erinnerungsknäuel. Selbst für die politischen Akteure haben sich die Wogen mittlerweile geglättet.
Der Leiter des Politikressorts der Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, Volker Zastrow, hat ein Buch geschrieben, das die Vorfälle vom November 2008 in all ihrer politischen Komplexität darlegt. Es lockt die dunklen Knäuel aus den Köpfen, entwirrt sie und vermag die Fäden zu ordnen, die mit nüchternem Kalkül gezogen wurden.
„Die Vier – Eine Intrige“ ist die Recherche eines hessischen Politskandals, die die Vielschichtigkeit politischer Prozesse darstellt und die Frage aufwirft, wer denn am Ende der Böse und, noch wichtiger, wer denn eigentlich der Gute ist.
Bei einer kurzen Leseprobe aus seinem Buch ließ Volker Zastrow die Farbigkeit durchscheinen, mit der er Chronik und Biographie, wie er sagt, vereinigte.
Seine Recherche, so wurde im anschließenden Gespräch deutlich, war für ihn wie das Häuten einer Zwiebel. Haut für Haut trage man die Zwiebel ab und könne dabei immer weiter in die Geschichte eindringen, die „sich als viel verwickelter herausstellte, als ich angenommen hatte“. Die Schüler Hella Brunsch und Max Müller, die gemeinsam mit ihrem Lehrer Uwe Paulsen das Gespräch mit Volker Zastrow führten, versuchten auch den Hintergrund des Buches zu beleuchten. Und die Recherchearbeit zeigte sich als mindestens so tief wie der behandelte Stoff.
Die beiden Moderatoren verstanden es auch mit kritischen Fragen die Neugierde auf das Buch zu schüren und zeichneten dabei gemeinsam mit Volker Zastrow ein deutliches Bild investigativer journalistischer Arbeit. Der Abend gewährte also nicht nur Einblicke in politische Intrigen, sondern auch in die detaillierte Recherche, die Zastrows Buch so lesenswert macht.
Im Anschluss an die Diskussion wurden Spenden für das Jamhuriat-Mädchen-Wirtschaftsgymnsaium in Kabul gesammelt. Für die Schule, die unter den Taliban noch verboten war, konnten dabei 280€ zusammengetragen werden.
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